Heimattrekking

Bayerns Berge für Quergeher

Sechs Wochen unterwegs

in Bayerns Bergen


128 Seiten - Edition Summit

ISBN 987-3-9809862-8-


Gebundener Preis: €19,70.-    



Chiemgau – Heimattrekking in Bayerns

grünen Wanderbergen


Abenteuer & Reisen - Autor Joachim Chwaszcza lässt das Flugzeug links liegen und bleibt daheim. Trekking vor der Haustür, in heimischen Gefilden. Genuss statt Stress.



Heimat, das ist nichts für Abenteurer! Ausgerechnet wir, die wir andauernd unterwegs sind als kosmopolitische global traveller und ausrüstungstechnische Multifunktionsnomaden, pausenlos unterwegs auf der Suche nach den letzten weißen Flecken - was sollen wir nur in der Heimat, im Chiemgau? Und dann Heimattrekking! Trekking, in unserem Sprachgebrauch ist das doch immer tagelanges Wandern und Hiken. Fern, abseits und meist irgendwie extrem. Extrem hoch, extrem kalt, extrem weit. Da wird gefroren und gezittert, geschwitzt und gedampft. Die Füße werfen Blasen, die Kost ist karg und die Nächte sind unbequem. Trekking, das ist irgendwo im Himalaya oder in den Anden, den Rockies oder in der Wüste Gobi. Das ist nichts für normale Wanderer, geschweige den etwas für Genussmenschen. Stimmt, aber es geht aber auch anders. Genuss statt Entbehrung. Direkt von der Haustür weg, mit viel Kultur und kulinarischem Genuss. Und irgendwie dann doch extrem. Nämlich extrem schön und extrem erholsam.


Ist es möglich, die Heimat so zu erkunden, als wen man weit weg wäre? Heimat als der genetische Strichcode einer Landschaft? Das klingt reizvoll und so lasse ich Goethe sprechen –„…nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich...“ – und mache ich mich auf den Weg. Nicht in den heißen Dschungel von Kambodscha, in die entführungsoptimierten Berge des Jemen, zum frostigen Everest-Basecamp oder zum Condor in der dünnen Luft Perus. Ich breche auf, um vor meiner Haustür loszuwandern. Und ich muss gestehen: Es ist ein ansprechender Gedanke. Die Heimat der Nomaden ist die Bewegung und nicht der Ort. Das gilt auch für „dahoam“.


Ich laufe los. Sieben Tage Heimattrekking im Chiemgau, Regionalverkehr statt Flugzeug. Der Weg von Endorf nach Gstad ist der Auftakt und die stillen Egstätter Seen und die Annäherung zum Chiemsee sind traumhaft. Ich setze über zur Fraueninsel, azyklisch und gegen den Strom. Schnell noch zur Fischerei Lex und eine letzte Fischsemmel mit Blick auf die Abendsonne. Es ist die schönste Zeit des Tages, die Ruhe kommt. „Wenn die Seele zur Ruhe kommt…“ So klingts bei Meister Eckhard. Man hört sie förmlich ankommen, die Stille. Und langsam verschwindet die Sonne hinter den Hügeln. In der Linde gibt es Saibling und einen frischen Veltliner, und die Nacht auf der Fraueninsel rundet diesen Tag ab. Irgendwie sind es die kleinen Dinge, die hängen bleiben. Kleinode wie am nächsten Tag Urschalling. Es hätten tibetische Baumeister sein können, die den Platz für das Kirchlein St. Jakob ausgesucht haben. Drinnen, beim Anblick des Bilderyklus hätten sie sich zuhause gefühlt. Ob nun der Heilige Geist im Fresko Mann oder Frau ist – für sie würde es keine Rolle spielen...




aus Abenteuer & Reisen 2009


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